
So findest Du das perfekte Gebiss für Dein Pferd
Ein passendes Gebiss ist die Grundlage für feines Reiten und eine vertrauensvolle Kommunikation zwischen Dir und Deinem Pferd. Doch woran erkennst Du, ob das aktuelle Gebiss wirklich zu Deinem vierbeinigen Partner passt? Und welche Informationen sind wichtig, wenn Du professionelle Unterstützung suchst? In diesem Beitrag erfährst Du alles Wichtige rund um die Gebissberatung – von den ersten Anzeichen eines unpassenden Gebisses bis zur optimalen Vorbereitung auf eine individuelle Beratung.

Warum ist ein passendes Gebiss so wichtig?
Jedes Pferd ist ein Individuum – und das gilt auch für die Anatomie des Mauls. Gaumenform, Zungendicke, Kieferstellung, Maulbreite und Form der Laden unterscheiden sich von Pferd zu Pferd erheblich. Ein Gebiss, das bei einem Pferd perfekt funktioniert, kann bei einem anderen zu Problemen führen. Nur wenn das Gebiss optimal zur individuellen Anatomie passt, kann Dein Pferd entspannt an die Reiterhand herantreten, fein auf Zügelhilfen reagieren und zufrieden abkauen. Ein unpassendes Gebiss hingegen kann zu Verspannungen, Widersetzlichkeiten und sogar zu Verletzungen im empfindlichen Pferdemaul führen.

Anzeichen dafür, dass Dein Gebiss nicht passt
Bevor Du Dich auf die Suche nach einem neuen Gebiss machst, lohnt sich ein genauer Blick auf das Verhalten Deines Pferdes. Folgende Signale können darauf hindeuten, dass das aktuelle Gebiss nicht optimal sitzt:
- Kopfschlagen oder Verwerfen: Dein Pferd schüttelt häufig den Kopf, wirft ihn hoch oder stellt sich nicht korrekt
- offenes Maul: Das Maul wird geöffnet oder aufgesperrt, während das Gebiss im Maul liegt
- unkonstante Anlehnung: Dein Pferd entzieht sich der Anlehnung oder geht hinter die Senkrechte
- sichtbare Verletzungen: Druckstellen, Rötungen oder offene Stellen im Maul, an den Maulwinkeln oder auf der Zunge
- Unruhe beim Auftrensen: Dein Pferd wehrt sich gegen das Auftrensen oder zeigt Unbehagen
- vermehrtes Speicheln oder Zungenfehler: Übermäßiger Speichelfluss, kauen oder festbeißen oder Herausstrecken der Zunge
Diese Symptome können verschiedene Ursachen haben – von der falschen Gebissweite oder -form über eine unpassende Gebissstärke bis hin zum ungeeigneten Material oder Seitenteil.

Die richtige Gebissweite ermitteln
Die Gebissweite ist einer der wichtigsten Faktoren für ein gut sitzendes Gebiss. Zu schmale Gebisse quetschen die Maulwinkel ein, zu breite Gebisse rutschen hin und her und können gegen die Zähne schlagen oder drücken bei Zügelanzug von außen gegen den Backenzahn.
So erkennst Du die passende Gebissweite
Bei Wassertrensen mit beweglichen Ringen sollte der Abstand zwischen dem Gebissringloch und dem Maulwinkel maximal 3 bis 5 Millimeter auf jeder Seite betragen. Beide Ringe müssen frei rotieren können, ohne den Maulwinkel einzuquetschen.
Gebisse mit festen Seitenteilen, wie Olivenkopfgebisse oder D-Ring Gebisse sollten hingegen direkt am Maulwinkel anliegen, um ihre seitlich begrenzende Wirkung bestmöglich gewährleisten zu können. Achte besonders bei Pferden mit ausgeprägten Lefzen darauf, dass die Maulwinkel nicht eingeklemmt werden.
Praxistipp: Gebissweite überprüfen
Stelle Dich vor Dein aufgetrenstes Pferd und ziehe die Gebissringe vorsichtig auseinander. So kannst Du gut erkennen, ob das Gebiss mittig im Maul liegt und der Abstand zu den Maulwinkeln stimmt. Alternativ kannst Du unseren Gebissweitenmesser nutzen, um die optimale Größe zu bestimmen.
Warum wir keine Zwischengrößen anbieten
Zwischen den meisten Gebissgrößen liegt ein Zentimeter Unterschied in der Weite – das entspricht 5 Millimetern pro Seite. Würden wir Zwischengrößen anbieten, läge der Unterschied nur bei 2,5 Millimetern je Seite. Dieser minimale Unterschied liegt innerhalb der natürlichen Toleranz, die bei der Gebissweite besteht.

Das richtige Material für ein gutes Gebiss
Das Gebissmaterial spielt eine entscheidende Rolle für die Akzeptanz und den Komfort im Maul des Pferdes. Verschiedene Materialien haben unterschiedliche Eigenschaften und eignen sich für verschiedene Pferdetypen.
Edelstahl Gebisse – die Einstiegsmodelle
Das klassische Material für ein Gebiss ist nach wie vor Edelstahl. Das pflegeleichte, robuste Material ist geschmacks- und geruchsneutral und hat keinerlei positive Eigenschaften auf da Kauverhalten desPferdes. Die SPRENGER Satinox Gebisse stellen das Einstiegssortiment dar und
sind in einer Vielfalt von Mundstücken und Seitenteilen erhältlich.
SENSOGAN Gebiss – die innovative Legierung
Unsere SENSOGAN-Gebisse bestehen aus einer speziellen Legierung aus Kupfer, Mangan und Zink. Diese Materialkombination ist nickelfrei und besonders verträglich. Der Materialmix fördert gezielt die Kautätigkeit und Speichelproduktion Deines Pferdes. Das enthaltene Mangan reguliert die Kupferabgabe, sodass der Oxidationsprozess dosiert erfolgt. Zudem spielt Mangan eine wichtige Rolle im Muskel- und Energiestoffwechsel und kann sich positiv auf den Stressabbau auswirken. Durch den Abbau von Histamin kann das Spurenelement Mangan allergischen Reaktionen vorbeugen.
NATHE Gebiss – die sanfte Alternative
Unsere NATHE-Gebisse aus Thermoplast eignen sich besonders für sensible Pferde oder Pferde, die Kunststoffgebisse bevorzugen. Im Gegensatz zu Gummi hat Thermoplast eine glatte Oberfläche und verhindert so einen unangenehmen Radiergummieffekt. Das Material ist formstabil, lebensmittelecht und frei von Weichmachern sowie Lösungsmitteln. Aufgrund der Materialbeschaffenheit sind NATHE Gebisse anfälliger für Zahnspuren, achte darauf, dass das Gebiss nicht mit den Zähnen in Berührung kommt und tausche es bei deutlichen Abnutzungsspuren aus.
Gummi Gebisse
Wenn Du ein Gummigebiss verwendest, sollte Dein Pferd ausreichend speicheln. Bei zu wenig Speichel entsteht durch die Reibung schnell ein unangenehmes Gefühl, das sogar zu Verletzungen führen kann, diesen Effekt nennt man auch ‚Radiergummi-Effekt‘.

Die optimale Gebissstärke wählen
Früher galt die Regel „je dicker das Gebiss, desto weicher die Einwirkung". Doch moderne Pferdezucht bringt immer feinere und kleinere Mäuler hervor, für die dickere Gebisse oft zu voluminös sind und in den Gaumen oder auf die Laden drücken. Die gängigsten Gebissstärken liegen heute zwischen 14 und 16 Millimetern.
Der 2-Finger-Test
Mit diesem einfachen Test findest Du heraus, wie viel Platz im Pferdemaul für das Gebiss zur Verfügung steht:
1. Lege zwei Finger übereinander an die Stelle im Maul, wo später das Gebiss liegen soll
2. Lass Dein Pferd die Schneidezähne schließen
3. Spürst Du Druck auf beiden Fingern, sollte das Gebiss maximal 16 Millimeter stark sein
4. Spürst Du keinen Druck, kann das Gebiss auch dicker gewählt werden
Du kannst auch bei bereits verschnalltem Gebiss einen Blick ins Pferdemaul werfen und prüfen, wie viel Platz das aktuelle Gebiss einnimmt. Achte darauf, dass das Gebiss nicht mit den Schneidezähnen oder dem Hengstzahn in Kontakt kommt und zum ersten Backenzahn mindestens ein Finger breit Platz bleibt.
Checkliste: Woran erkennst Du ein passendes Gebiss?
Ein optimal sitzendes und korrekt verschnalltes Gebiss erkennst Du an folgenden Merkmalen:
✓ Dein Pferd wirkt zufrieden und entspannt
✓ der Abstand zwischen Gebissringloch und Maulwinkel beträgt maximal 3 bis 5 Millimeter
✓ die Trense lässt sich leicht über die Ohren ziehen, das Backenstück sitzt fest ohne zu schlackern, wenn Du die Zügel aufnimmst
✓ das Gebiss kommt nicht in Kontakt mit den Schneidezähnen/ Hengstzähnen
✓ zum ersten Backenzahn ist mindestens ein Finger breit Platz
✓ deine Druckstellen oder Rötungen im Gaumen oder auf der Zunge
✓ die Maulwinkel sind innen und außen unverletzt
✓ Dein Pferd tritt vertrauensvoll an die Reiterhand heran
✓ Zügelhilfen kommen fein an und Dein Pferd kaut zufrieden ab
✓ lockere Oberlinie und entspannte Kiefermuskulatur
Professionelle Gebissberatung: So bereitest Du Dich optimal vor
Wenn Du unsicher bist, welches Gebiss für Dein Pferd das richtige ist, unterstützen wir Dich gerne mit unserer professionellen Gebissberatung. Damit wir Dich bestmöglich beraten können, sind einige Informationen über Dein Pferd und die aktuelle Situation hilfreich.
Informationen zum aktuellen Gebiss
Informationen über Dein aktuelles Gebiss: Schau dir genau an, welches Gebiss Du derzeit verwendest. Mache ein Foto davon oder notiere Dir die genauen Angaben (Hersteller, Mundstückform, Seitenteil, Weite, Stärke, Material). So können wir besser einschätzen, womit Du aktuell reitest und wo Optimierungspotenzial besteht.
Die Gebiss Verschnallung überprüfen
Gebiss im Pferdemaul fotografieren: Um die Gebissweite und Verschnallung beurteilen zu können, ist es sehr hilfreich, wenn Du das Gebiss im Pferdemaul fotografierst oder sogar ein kurzes Video rundherum machst. Besonders hilfreich ist ein seitliches Bild vom aufgetrensten Pferd mit durchhängendem Züge und eines, wo Du die Zügel in Richtung Widerrist aufnimmst. So können wir gemeinsam prüfen, ob die Gebissweite passt und die Verschnallung korrekt ist.
Anatomische Besonderheiten im Pferdemaul erkennen
Blick ins Pferdemaul: Schaue Dir das Maul Deines Pferdes genau an. Mache gerne Fotos oder ein Video von der Zunge, damit wir beurteilen können, ob die Zunge eher dick oder dünn ist. Fühle auch, ob der Gaumenbogen eher stark gewölbt oder flach ist und wie ausgeprägt die Unterkieferlade ist. Diese anatomischen Besonderheiten sind wichtig für die Auswahl des richtigen Gebisses.
Verhalten und Reitweise beschreiben
Beschreibe die Problematik: Erkläre uns, welche Herausforderungen Du beim Reiten bemerkst. Zeigt Dein Pferd bestimmte Verhaltensweisen wie Kopfschlagen, ein offenes Maul oder Widersetzlichkeiten? Je genauer Du die Situation beschreibst, desto gezielter können wir beraten.
Informationen zur Reitweise: Teile uns mit, in welcher Disziplin Du unterwegs bist (Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Freizeitreiten) und auf welchem Ausbildungsstand sich Dein Pferd befindet. Auch Deine eigene Reiterfahrung ist relevant für die Gebissauswahl.
Jetzt Gebissberatung anfragen
Mit diesen Informationen können wir Dir eine fundierte und individuelle Empfehlung geben. Fülle einfach unser Gebissberatungsformular aus und lade die entsprechenden Fotos oder Videos hoch. Unsere Experten melden sich zeitnah bei Dir mit einer persönlichen Empfehlung. Bitte habe Verständnis, das wir nur auf vollständig ausgefüllt Formulare antworten.
Weiterführende Informationen
Du möchtest noch mehr über Gebisse erfahren? In unseren weiteren Blogbeiträgen findest Du detaillierte Informationen:
- Mundstückformen: Erfahre mehr über die Unterschiede zwischen einfach gebrochenen, doppelt gebrochenen Gebissen und Stangengebissen in unsere Blog Beiträgen.
- Seitenteile: Welches Seitenteil eignet sich für welchen Zweck? Wann ist ein Gebiss mit Hebelwirkung wie ein 3-Ring-Gebiss oder Pelham sinnvoll? Das erfährst Du in unserem Artikel: Welches Seitenteil sollte ich wählen
- Materialien im Detail: Einen umfassenden Überblick über alle Gebissmaterialien und ihre Eigenschaften findest Du im Beitrag SPRENGER erklärt Gebissmaterialien


































































